Früher war mehr früher!

Die Tage war ich mal wieder auf einer Veranstaltung meiner ganz persönlichen  Take-me-back-Tour.  Konzerte, die ich nicht nur wegen ihres musikalischen Wertes, sondern eindeutig auch aus Nostalgie-Erwägungen heraus besuche. Das passt gut zu meinem Leib- und Magenthema, dem Älterwerden, wobei ich ja immer hoffe, dass es keine allzu obsessiven Züge annimmt.

Zumindest beim letztem Konzert, das eigentlich eher ein Mini-Festival war, bin ich schon mal ein bisschen ins Grübeln gekommen, weil ich mir diese Veranstaltung im Gegensatz zu den wunderbaren Stones beim besten Willen nicht mit irgendwelchen musikalischen Qualitäten schönreden konnte. Pure Nostalgie, ein reiner Flashback also. Bei den einen waren die Qualitäten nie wirklich da, bei den anderen haben sie ein bisschen nachgelassen. Auch altersbedingt, jawoll.

Also, reden wir nicht lange rum: Ich war bei Sweet, Jethro Tull und Manfred Mann und seiner Earthband. Oder besser gesagt bei dem, was davon noch übrig ist. Bei allen dreien ist es eigentlich nur noch einer, aber hey, würdet ihr auf ein Festival von Andy Scott, Ian Anderson und (immerhin!) Manfred Mann gehen?Da klingen Sweet, Tull und Earthband schon deutlich besser, auch wenn alle drei de facto eher Revivalbands mit einem Original-Mitglied sind.

Für mich war das aus anderen Gründen in dieser Zusammensetzung interessant. Sweet waren meine erste Boyband, irgendwann im Alter zwischen 8 und 13 waren die echt meine Helden. Ich dachte, es sei Rock‘n‘Roll (hey, ich war 8!!). Mit 13 bin ich dahintergekommen, dass es eigentlich eher doch kein Rock‘n‘Roll ist. Außerdem muss man prinzipiell mit 13 Bands uncool finden, die man mit 8 gut fand. Noch dazu, wenn die etwas älteren Mitschüler dir klar zu verstehen geben: Solange du Sweet hörst, bist du auch uncool. Yes, Pink Floyd, Uriah Heep, Genesis, wenn du mal soweit bist, reden wir auch wieder mit dir. Und, ach ja: Jethro Tull!

Soll ich euch was beichten, 40 Jahre später? Ich habe Jethro Tull nie gemocht. Ian Anderson erinnerte mich an Catweazle, die Querflöte hat genervt und diese ganzen verschrobenen Geschichten habe ich weder kapiert noch haben sie mich interessiert. Es gibt drei oder vier ganz brauchbare Nummern und es gibt natürlich „Locomotive Breath“.

Gottseidank kam dann irgendwann 1979 The Police und ich hatte endlich was, was richtig cool war und was ich richtig geil fand. Hey, und was ist Ian Anderson und seinem Mittelalter-Getue gegen den junge wasserstoffblonden Sting mit seinen Jungs?

Es war also schon eine komische Idee, sich eine Band anzuschauen, die man eigentlich nie mochte,  aber ok, die waren in dem Bundle halt dabei. Hätte ja außerdem sein können, dass ich mich getäuscht habe und die richtig gut waren oder es auf ihre alten Tage noch geworden sind. Aber wie das eben so ist: Ian Anderson bringt kaum mehr einen guten Ton hervor und der war ohnehin nie ein richtig guter Sänger. Und außerdem tappen er und seine Jungs in die selbe Falle wie Manfred Mann: Man hat zwar nur eine gute Stunde Zeit, spielt aber erst mal ein paar neue Songs, die bei einer solchen Nostalgieveranstaltung niemand wirklich hören will. Die neuen Songs sind übrigens noch öder als die ödesten der alten und die waren schon ziemlich öde.

Tatsächlich aber ist das eigentlich Erschütternde, wenn man sich im Publikum umschaut und dann sieht, wie sie alle (außer einem selber natürlich) älter geworden sind. Nein, halt. Nicht älter. Alt, das trifft es genauer. Gefangene der alten Zeit, man sieht plötzlich wieder Fan-Shirts von Jethro Tull, von Yes und sogar Uriah Heep, obwohl man sich doch gefühlt gerade erst von den Schrecken einer Jugend mit Heep-Alben und „Lady in Black“ am Lagerfeuer erholt hatte. Entweder, die hatten alle damals wirklich so viele Fans oder der Mensch kann noch mehr verklären, als ich ohnehin schon dachte.

Too old to…nee, vergesst es, Leute, das ist so eine Schimäre aus langen Tagen. Ian Anderson ist ein etwas verschrobener mutmaßlich aber ganz netter älterer Herr geworden, Manfred Mann mit beinahe 80 ist dagegen immer noch erstaunlich fitter Typ und die unverwüstbaren Stones habe ich ja eh schon ausführlich beschrieben. Keine Frage des Alters also, eher eines des Kopfes. Mit Yes- oder Heep-Shirts rumlaufende Männer kamen mir stellenweise ganz schön alt vor, weil sie außer dieser Früher-war-alles-besser-Attitüde nicht mehr so wahnsinnig viel haben.

Dabei war früher nicht alles besser. Es war nur: anders.

Wenn du gegen alles bist, wofür die AfD ist, dann ist alles gut

Früher mal ™ war die Sache ziemlich einfach: Es gab links und es gab rechts und es gab logischerweise sowas wie eine Mitte. Links und rechts lagen zumindest in Deutschland eigentlich nie so weit auseinander, wie es sich manchmal anhört: Eigentlich wollten die Deutschen immer einen Union-Kanzler, der möglichst sozialdemokratisch regiert. Ich habe in den letzten Jahren dann für mich selbst zunehmend öfter die Frage gestellt, was eigentlich noch rechts und was links ist und ob man sich überhaupt noch auskennen kann in einer Welt, in der die Union-Kanzlerin so sozialdemokratisch ist, dass die Original-Sozialdemokraten beinahe verschwunden sind.  

Die Rolling Stones und der Herr Gauland…

Am Wochenende habe ich Mick Jagger und Keith Richards gesehen. Und dann habe ich an Alexander Gauland gedacht. 

Ein Post über meine Frau und ein paar Lektionen fürs Leben

Vor ein paar Tagen habe ich eine Geschichte geschrieben. Komplett aus dem Bauch raus, rein nach Gefühl. Ich hatte keinerlei Ahnung, was aus ihr wird. Nicht nur, dass sie, wie man so schön sagt, viral ging wie kaum eine meiner Sachen zuvor. Daneben habe ich für mich und mein restliches, mir noch irgendwie verbleibendes Leben eine ganze Menge verstanden…

Die Beziehungskrisen von älteren Männern mit dem Rest der Welt

Die Welt und ich, wir sind in einer Beziehungskrise. Und ich fürchte, es liegt an meinem Alter…

Besuchen Sie die Staaten, solange es noch geht

Früher mal (was denn, den Begriff kennen Sie schon?) war die Planung von Urlauben eine ziemlich einfache Sache: Man ist dahin, wo es irgendwo warm und geil war. Kosten, Dauer, Unterkunft, Anreise? Ach, was soll man sich das Leben durch unnötige Fragen verkomplizieren, Hauptsache: warm und geil.  

Alter, eingerosteter Mann schreibt Buch über alte, eingerostete Männer und Frauen

Es knackt bei mir, und zwar schon seit geraumer und so ziemlich genau alles. Am Anfang dachte ich, es handle sich dabei nur um ein temporäres Phänomen. Um eines, das kurz nach dem Aufstehen mal auftritt und dann wieder verschwindet. Bis ich inzwischen zu der Auffassung gekommen bin, dass es besser sein  könnte, wenn ich ehrlich zu mir selbst bin: Es knackt in Armen, Schulter und Gelenken, weil ich ein wenig eingerostet bin. 

Einmal im Leben Bahn sein (es wäre alles so viel leichter)…

Freund K. sagt immer, ich solle mich nicht aufregen, wenn es um die Deutsche Bahn geht. Weil sie erstens gemessen beispielsweise an Indien oder Tadschikistan einigermaßen gut funktioniere und weil Bahn-Bashing zweitens einigermaßen billig ist. Bei letzterem muss ich ihm Recht geben. 

Die erstaunliche Geschichte des „40jährigen“…

Der eine oder andere unter der geneigten Leserschaft weiß das vielleicht: Vor mittlerweile drei Jahren ist ein kleines Buch von mir erschienen. Eines, das sich ausnahmsweise nicht mit Medien beschäftigt. „Der 40jährige, der aus dem Golf stieg und verschwand“ ist sogar ziemlich gut gelaufen, gemessen daran, dass es kein Marketing und keine Werbung auch sonst nichts flankierendes gab. Offensichtlich ist das halt ein Thema: wie man so lebt als Mensch jenseits der 40. Die gesamte Auflage des Buchs ist verkauft, ein paar Exemplare liegen noch bei mir rum. Und immer wieder mal denke ich darüber nach, es nochmal neu aufzulegen. Aber die Schreiberei ist ja nur ein kleines Hobby von mir, ich habe eine ganze Reihe anderer Sachen zu tun. Außerdem habe ich mit dem „40jährigen“ ohnehin so viel zurückbekommen, dass mehr gar nicht mehr geht.  

Alles Nazis in der anderen Filterblase

Da war zum Beispiel dieser Text im Magazin t3n. Das ist ein Medium für Menschen, deren Leben in erster Linie aus Internet besteht. Spötter behaupten sogar, es handle sich dabei um Leute, die gar kein richtiges Leben haben. Dort hieß es in der Überschrift vor der Wahl, dass wir da, wo wir hingingen, keine Straßen brauchten (sondern stattdessen schnelles Internet). Der Text deckte dann zwar später die Überschrift nicht mehr, aber wir wollen uns ja nicht mit journalistischen Petitessen aufhalten.