Das ganze Elend älterer Männer…

Die folgende Geschichte wäre ohne Kumpel Jürgen nicht entstanden. Deswegen muss ich erstmal ein paar Sätze über Kumpel Jürgen loswerden. Der Mann ist gerade 50 geworden, eine Seele von Mensch und hört deswegen hauptsächlich Metal. In allen Varianten. Sollten Sie zufällig mal auf der Suche nach dem Namen der angesagtesten Band aus der japanischen Trash-Metal-Szene sein, fragen Sie ihn. Jürgen hilft Ihnen vermutlich auch mit den letzten beiden Alben der Band weiter, die er mit hoher Wahrscheinlichkeit an einem Ort stehen hat, den man früher Plattenschrank nannte. Bei Jürgen ist es eher ein Plattenzimmer. 

Werde ich jetzt rechts, weil mich links so nervt?

Vor ein paar Jahren, als ich allmählich beschloss, jetzt wirklich mal etwas älter zu werden, habe ich mich durch ein Buch von Jan Fleischhauer gequält. Es heißt „Unter Linken – von einem, der aus Versehen konservativ wurde“.

Im Bahn-Wahn: Kein Anschluss unter diesem Fahrplan

Gerade eben lese ich übrigens ein Buch über Stoizismus. Es ziemlich gut, vor allem, weil es weit entfernt ist vom Kalendersprüche-Niveau. Oder diesen grässlichen Postings mit völlig sinnentleerten Lebensweisheiten, die immer wieder mal durch Facebook geistern und die von den nachdenklichen Sprüchen mit Bildern regelmäßig wunderbar persifliert werden. Müsste man die knapp 400 Seiten des Buches in einem Satz zusammenfassen, er würde lauten: Reg dich nicht so auf! 

Phil Collins und der Club der toten Adabeis

Vermutlich  hat Phil Collins bei seinen nun abgeschlossenen Konzerten in Köln nicht das Publikum gehabt, das er verdient gehabt hätte. Möglicherweise bekommt sogar kein Künstler, der ein Publikum jenseits der 40 anzieht, das ihm gebührende Publikum. Weil solche Konzertbesuche gerne ausarten in ein Adabei-Event. 

Wir feiern die Helden und zelebrieren uns selber

Good old Phil. Es ist dasselbe Spiel wie bei vielen großen Musikern. Phil Collins ging irgendwann mal ziemlich vielen Leuten ziemlich auf die Nerven. In dieser Zeit, es muss irgendwann in der Mitte der 80er gewesen sein, gehörte eine ganze Menge Zivilcourage dazu um zuzugeben, dass man Collins gut fand. Im Pop-Feuilleton war der Mann ohnehin unmöglich. Und selbst heute kenne ich noch Menschen, die sich in linksliberaler Milieu-Arroganz darin gefallen, böse, böse Sachen über Collins zu sagen. Heute ist mir das wurscht, weil ich finde, dass ein Tweet, in dem lediglich „Ich hasse Phil Collins“ steht, höchstens von der Einfalt seines Verfassers zeugt. 

Einmal in den Kopf eines Finanzbeamten schauen…

Manchmal, wenn ich zu viel Zeit habe, dann denke ich über die Frage nach, was einen Menschen bewegen könnte, den Beruf eines Finanzbeamten zu ergreifen. Ich frage mich dann beispielsweise, wie er vor sich selbst und anderen begründet, was er an diesem Job so geil findet:  vielleicht die viele Abwechslung, die jährlich wechselnden und immer bizarrer werdenden Steuergesetze (auf Babynahrung 19 Prozent, auf Tierfutter 7 Prozent).  Oder der gute Ruf, der diesem Job vorauseilt. Man ist vermutlich Mittelpunkt jeder Party, wenn man auf die Frage „Und was machst du so?“ mit unnachahmlicher Coolness hinwerfen kann: Finanzamt! 

Was ist nur aus dem Fußball geworden?

Natürlich dürft ihr, wenn ihr euch für Fußball interessiert, leidenschaftliche Hasser von 1860 München sein. Ihr dürft sie mit aller Häme überschütten, zu der ihr fähig seid. Oder sie einfach nur belächeln. Aber bevor ihr das tut, lest diesen Text. Nicht, dass es euch auch mal so geht…

Haltet euch fern von Idioten!

Ich muss an dieser Stelle nochmal dringend auf den großen Lemmy Kilmister zu sprechen kommen, der uns leider Weihnachten 2015 viel zu früh und viel zu nüchtern verlassen hat. Befragt zum Thema „Moral“, entwickelte sich 2008 in der „Süddeutschen Zeitung“ der folgende denkwürdige Dialog:

Wie verrückt muss man sein, um Fußball zu schauen?

Ich muss verrückt geworden sein: Ich habe mir tatsächlich eine Karte für 1860 München gekauft. Für ein Relegationsspiel. Der Drittletzte aus der 2. Liga gegen den Dritten aus Liga 3. Das wird nicht gerade Fußball für Feinschmecker sein, schon gleich gar nicht in einem Stadion, in dem sonst Weltmeisterschaft oder Champions  League gespielt wird. Und schon dreimal nicht, wenn 1860 antritt.  Eine Mannschaft, die in den letzten Jahren sportlich jeden Slapstick gezeigt hat, den man sich vorstellen kann. 

Er hat Jehova gesagt!

Vor kurzem habe ich öffentlich die Auffassung vertreten, der US-Präsident (also, Stand heute ist das noch Trump, so viel als Notiz für die Nachwelt) benehme sich so, dass man kleinen Kindern eines hinter die Löffel geben würde. Diese Bemerkung kann man für halbwegs witzig halten, muss man aber nicht. Man kann diese Auffassung teilen, muss das aber ebenfalls nicht; schon alleine deswegen nicht, weil ich sozusagen militanttolerant bin.