Der neue Mainstream des Fünfzigers

Das Lustigste an Menschen in meinem Alter ist ja: Je mainstreamiger sie werden, desto weniger glauben sie, Mainstream zu sein. Im Gegenteil, sie betonen dann besonders gerne, wie nonkonformistisch sie sind: Lederjacke, Jeans, alle paar Tage auf irgendeinem Konzert der alten Helden von früher. Dumm nur, dass ausgerechnet dieser Ausweis der Unangepasstheit inzwischen glatter Mainstream ist.

So altern coole Amerikaner, gesehen in Bakersfield ,CA, 2018. In Deutschland biedern wir uns „der Jugend“ an und halten es für endgeil, auch mal eine Lederjacke zu tragen. (Foto: Jakubetz)

Zu den besonderen Merkmalen des nonkonformistischen Mainstreams gehört, dass er die Jugend gut versteht und sie ihn auch. Was auch immer „die Jugend“ ist. Neuerdings zählt man auch knapp 30jährige zur „Jugend“. Die stehen dann immer noch unter Welpenschutz. Über einen Auftritt der juvenilen Autorin Sophie Passmann bei Maybrit Illner beispielsweise schrieb die „Süddeutsche Zeitung“ in besorgtem Tonfall, es werde Zeit, dass man „die Jugend“ jetzt endlich ernst nehme und sie nicht mehr von oben herab behandle.

Frau Passmann hat die Mitte der 20er hinter sich, hat einen Bestseller geschrieben, tritt regelmäßig bei Böhmermann auf, hat eine Kolumne bei der „Zeit“ und ansonsten ein derart großes Selbstbewusstsein, dass man eher was davon reduzieren müsste. Wie auch immer, wäre ich Sophie Passmann, würde ich mir derartige Kopftätscheleien ausdrücklich verbitten.

Aber so geht das inzwischen die ganze Zeit, wenn Menschen deutlich jenseits der 40 von „der Jugend“ reden. Wir finden, dass die Jugend grundsätzlich mit allem Recht hat, vor allem mit der Kritik an uns Alten. Das ist natürlich nicht ganz uneigennützig von uns. Weil wir damit auch zu denen gehören, die Recht haben mit allem. Das ist so sehr Geisteshaltung geworden, dass wir das immer gleich dazu sagen: Ich bin zwar alt, aber im Kopf total jung. Und jetzt lasst doch die Sophie auch mal was sagen.

Dabei sitzen wir echt in der Falle. Mit allem, was wir tun. Aus dem Verdacht, wir wollten uns irgendwie anbiedern, kommen wir nicht raus. Konzerte, Lederjacke, Motorrad, Cabrio? Da will aber eine ganze Generation mit Gewalt jung bleiben und das eigene Altern rausschieben, bis man am Rollator geht.

Ich habe mir jetzt eine ganze Reihe Anzüge gekauft. Der Anzug und das Leben in der Kleinstadt sind der neue Nonkonformismus, denke ich mir. Das ist zwar natürlich auch blühender Blödsinn, aber immer noch charmanter als der verzweifelte Versuch, Sophie, Annalena und Torben-Hendrik als Schutzschild für das eigene Altern zu missbrauchen.

Und schließlich noch einer aus der Reihe „Früher war…“: Hätte mich jemand als Mitt- oder Endzwanziger als Vertreter der Jugend bezeichnet, ich hätte lebenslang nie wieder mit ihm gesprochen.

Torben-Hendrik fährt zum Schulstreik

Vor Kurzem hat ein mir bekannter Mensch meiner Altersklasse geseufzt, er sei froh, wenn jetzt langsam die jüngere Generation die Verantwortung für mehr oder weniger die gesamte Gesellschaft übernehme. Seine und somit auch meine Generation habe schließlich in den letzten Jahrzehnten auf nahezu alles die falschen Antworten geliefert, da sei es nur folgerichtig, wenn wir alten Totalversagersäcke langsam abtreten.

Ich musste an den großartigen Loriot denken, der in einer Szene von „Papa ante portas“ lakonisch fragt: Reicht es, wenn ich mich in Luft auflöse?

Das scheint gerade sehr angesagt zu sein bei Menschen meines Alters: Die Jungen bei ihrer Revolution zu unterstützen, wobei es mittlerweile schon als Revolution durchgeht, wenn man freitags nicht zur Schule geht. Ist doch prima, wenn die Jungen so was machen, sagen die neuen Schluffi-Alten und schreiben dem Nachwuchs eine Entschuldigung, damit beim Schulstreik schon alles seine Ordnung hat. Schulstreik-Greta wird unterdessen als das neue Vorbild für uns Alte gepriesen, hat bereits einen Ehrendoktor und gilt als ernsthafte Kandidatin für den Friedens-Nobelpreis.

Torben-Hendrik und Annalena streiken. Wir Alten sollten deshalb zutiefst beschämt sein und ihnen auch mal ein Attest für den Streik schreiben. Yeah, Revolution der Klasse von 2019! (Foto: Pixabay)

Ich bin mir nicht sicher, aber möglicherweise handelt es sich dabei um die subtilste Form der Unterdrückung, die sich eine junge Generation jemals gefallen lassen musste. Unterdrückung durch Kopftätscheln, sozusagen. Wir sagen ihnen dauernd, wie toll sie sind, schreiben die Entschuldigungen für den Schulstreik und halten sie damit komplett unter Kontrolle. Zu einem ordentlichen Aufstand gehört auch Widerstand, gegen den man kämpfen muss. Indem wir den blauhaarigen Rezos und Julias und Gretas unserer Tage den Widerstand komplett verweigern, können sie uns nix mehr, so einfach ist das.

Ich habe keine Ahnung, ob diese Theorie nicht völlig idiotisch ist; vermutlich schon. Ich finde nur keine andere Erklärung für das absurde Schauspiel dieser Tage: Mittelstands-Eltern einer liberal-urbanen Wohlstandsgesellschaft, irgendwo in den 40ern und 50ern ihres Lebens angesiedelt, versichern den lieben Millenial-Kids, denen man gerade noch ihre Trägheit und ihr Desinteresse an ungefähr allem vorgeworfen hatte, wie geil sie sind. Helikopter-Parenting, die Fortsetzung des Eltern-Taxis mit anderen Mitteln: Soll ich dich zum Schulstreik fahren, Torben-Hendrik?

Dafür können die Torben-Hendriks und Annalenas unserer Tage natürlich nix, außer, dass sie vielleicht das tun können was ungefähr Millionen Generationen vorher auch getan haben: Uns Alten zu sagen, wir sollen bleiben, wo der Pfeffer wächst. Ich meine, wo sind wir denn gelandet in unserer Mittelstands- und Mittelmaß-Langeweile, wenn wir jetzt nicht mal mehr einen ordentlichen Generationen-Konflikt hinbekommen? Doch, so was brauchen wir, ich finde jedenfalls eine Generation, bei der blaue Haare schon als aufmüpfig gelten, in ihrer ganzen Ödnis beängstigender als eine, die ordentlich rebelliert.

Umgekehrt finde ich allerdings unsere Generation mindestens ebenso trübe, wenn sie jetzt schwanzeinziehend vom Hof schleicht und sagt: Ihr habt ja so recht, wir haben es verbockt. Das macht man nicht, grundsätzlich nie, so viel Stolz und Selbstbewusstsein darf man haben. Und außerdem werfe ich mich nicht vor einer Generation in den Staub, die zwar irgendwas von Klima faselt, ansonsten aber den Billigflug-Städtetrip für 29 Euro erst so richtig kultiviert hat. Das steht hier übrigens absichtlich so, weil ich glaube, dass allzu viel Harmonie zwar irgendwie kuschelig ist, bei einem echten Problem aber niemanden so recht weiterbringt.

Davon abgesehen: Fürs Altenheim fühle ich mich noch deutlich zu fit, für außerordentlichen Respekt vor jüngeren Generationen hat sie mich noch nicht genügend beeindruckt, mich in Luft aufzulösen, weil ich alt, weiß, männlich bin, könnt ihr vergessen.

Wenn ihr was wollt von uns, dann kämpft. Kleiner Pro-Tipp: Kämpfen ist was anderes, als ein paar launige Tweets und Videos abzusetzen.

Bekenntnisse eines Langweilers

Die meiste Zeit habe ich wenigstens passabel gute Laune. Das macht mich zu einem eher langweiligen Menschen, befürchte ich. Richtig interessant sind die anderen. Die mit Depressionen, die Sich-Schuldig-Fühler, die Selbstzweifler. Aber die halbwegs gut gelaunten? Müssen entweder naiv oder etwas unterbelichtet sein. Außerdem: was erzählt man über jemanden, der gut gelaunt ist? Dass er immer gut gelaunt ist? Na bitte.

Schauen wir also zum Beweis in die aktuellen Ausgaben vom „SZ Magazin“ und vom „Zeit Magazin“, den beiden gedruckten Hochämtern aller, die etwas auf sich halten.

In der SZ: Dirk von Lowtzow, Diskursrocker. Der von den unangreifbaren „Tocotronic“. Der Mann, der so schöne Songtitel wie „Bitte oszilieren Sie“ oder „Im Zweifel für den Zweifel“ geschrieben hat.


Kann sich jemand gut gelaunte Tocotronic vorstelllen? Will jemand zu Tocotronic, um dort ausgelassen Party zu machen? Würde jemand Diskursrocker-Platten hören und Diskursrocker-Bücher lesen, wenn sie nicht in der Attitüde des Zweiflers mit gelegentlichen Anflügen zur Depression daherkämen?

Konter „Zeit Magazin“: eine Geschichte von und mit der aktuell unvermeidlichen Sophie Passmann. Frau Passmann lässt uns wissen, dass sie permanent an sich zweifelt. Das wiederum sei eine besonders wertvolle Gabe, weil, Sie ahnen es, diejenigen, die nicht an sich zweifeln, entweder dumm oder übertrieben selbstbewusst oder möglicherweise beides sind. Wir warten unterdessen auf Tocotronic feat. Sophie Passmann: Im Zweifel für den Zweifel.


Des Weiteren im Angebot: Eine Geschichte über eine Frau, die bei Twitter mit ihren Tweets über ihre Depressionen jeden Tag Tausende verzückt (ok, Twitter ist vermutlich auch genau der richtige Kanal dafür). Ist das nicht doll? Tägliche Tweets und dazu inzwischen ein ganzer Essayband über Depressionen!

Zurück noch mal zur „Zeit“, allerdings zur Hauptausgabe:

„Papa, fühlst du dich schuldig?“

„Ja, das ist ein Scheißgefühl.“

Das ist die Überschrift zu einer Unterhaltung im Familienkreis oder zumindest dessen, was man bei der „Zeit“ dafür hält. Über was man halt so spricht, beim Abendessen, wenn im Hintergrund dezent ein bisschen „Tocotronic“ läuft. Es geht um: Klimawandel. Papa fühlt sich wegen des Klimawandels schuldig und diskutiert das mit seinen Kindern, ganz im Ernst.

Die Kinder heißen übrigens Leevke und Luna.

Und jetzt weiß ich auch nicht genau, wie ich Ihnen das erklären soll, vermutlich werden Sie mich für einen ignoranten alten weißen Mann halten, aber:

Ich finde den Klimawandel nicht so gut, aber ich fühle mich nicht schuldig und gehe abends nicht mit einem Scheißgefühl ins Bett. Dafür unterstütze ich regelmäßig 4Ocean, ich hänge es nur nicht an die große Glocke.

Ich zweifle nicht übermäßig an mir.

Ich finde Tocotronic eher öde. Was „Bitte oszillieren Sie“ aussagen soll, weiß ich bis heute nicht genau.

Ich glaube, dass es viele Probleme auf der Welt zu lösen gibt, die man unbedingt und sofort angehen muss. Gendergerechte Sprache gehört für mich eher nicht dazu.

Ich habe früher Cowboy und Indianer gespielt und eine meiner Töchter ging mal als Prinzessin in den Fasching.

Und ich verehre heimlich Lemmy Kilmister.

Dessen Credo: Haltet euch fern von Idioten. Doch, so einfach ist das manchmal.

Der immer noch nicht gelaufene Marathon

Ja, schon klar, ich lasse mich besser nirgends mehr sehen. Alle Menschen in meinem Alter sind Marathon gelaufen. Meistens laufen sie lächelnd ins Ziel und posten das auf dem Facebook-Account (zu Instagram schafft man es in den Fünfzigern nicht mehr ohne Gesichtsverlust). Lauter Wunderwerke der Selbstdisziplinierung.

Und ich? Immer noch nix, obwohl ich immer wieder darüber nachgedacht habe. Das könnte daran liegen, dass ich es nie richtig versucht habe. Was wiederum damit zu tun hat, dass sich mir der Sinn eines solchen Unternehmens nicht erschlossen hat. Und das, obwohl ich Mitte 50 bin und es langsam besser wissen sollte. Marathon, da gehst du über deine eigenen Grenzen. Du wirst wieder fit wie früher und wachst morgens nicht mehr als gefühltes Halbwrack auf, sondern als deutsche Antwort auf George Clooney oder wenigstens Til Schweiger.

Kann aber auch sein, dass Mainstream noch nie meines war. Und der Marathon-Wahn ist der neue Mainstream unter uns Fünfzigern. Früher haben sie mit dem Porsche geprotzt, heute ist es der Marathon. Porsche ist spießig, Marathon ist hip. Möglichst bitte an exotischen Orten. Und wenn es dafür nicht reicht, dann wenigstens New York.

Faulheit? Kann auch sein. 42 Kilometer sind vermutlich über 50.000 Schritte, das alles auf hartem Untergrund, weil City-Marathons selten über weichen Waldboden führen. Und man muss sehr diszipliniert dafür trainieren. War auch noch nie meins, das wussten meine Lehrer schon.

Während ich das so schreibe, muss ich mich überwinden. Sehr sogar. Einzuräumen, dass man auf die Qualen eines Marathons schlichtweg keine Lust hat, du liebe Güte, das ist in etwa so, als würde ich liebend gerne Diesel 4 fahren, Gendersternchen doof finden und als Hobby Katzen quälen angeben. Keine Lust auf Disziplin, nach 10 Kilometern laufen schon aufhören wollen? Wenn das ein potenzieller Arbeitgeber lesen würde, ich könnte meine Bewerbung auch gleich in die Tonne treten. Gut, dass ich aus dem Alter für Bewerbungen bei Arbeitgebern raus bin.

Und außerdem finde ich, dass wir Fünfziger uns das verdient haben. Wir haben Jahrzehnte gearbeitet, sind brav jedem Lifestyle hinterhergerannt, haben uns redlich bemüht, nicht alt und langweilig zu werden.

Würde ich jetzt einen Marathon laufen wollen, wüsste ich, dass es so weit ist: Der Mainstream hat mich eingeholt und ich werde alt und langweilig.

Und was ist mit Zwillingsbruder Winnetatsch?

Und nun die Nachrichten der letzten Faschingstage:

In Hamburg hat eine Kita den Eltern nahegelegt, ihre Kinder nicht als Indianer oder Scheich zu verkleiden. Das fördere möglicherweise Diskriminierung oder Vorurteile. Ausdrücklich gut geheißen werden Jungs als Meerjungmänner und Mädchen als Piratinnen.

In Köln hat ein Karnevalist Witze über Doppelnamen gemacht. Eine Frau mit Doppelnamen hat ihn dabei erst ausgepfiffen und dann auf der Bühne erklärt, warum Witze mit Doppelnamen doof sind.

Die Bundesrepublik diskutiert als wichtigstes Thema gerade, ob der Latte-Macchiato-Witz von Annegret Kramp-Karrenbauer demokratiegefährdend ist. Kramp-Karrenbauer spielt übrigens auch eine Rolle in der Doppelnamen-Geschichte (siehe oben).

Der über 50-jährige in mir denkt sich leise ein amüsiertes „Wenn es sonst keine Probleme gibt …“, weiß aber auch, dass er, falls er den Gedanken laut äußern sollte, mit hoher Wahrscheinlichkeit als „alter weißer Mann“ bezeichnet wird, der er zweifelsohne ist, was aber mutmaßlich nicht als bloße Feststellung, sondern als handfeste Beleidigung gedacht ist.

Darüber wiederum könnte man sich als Mittfünfziger prächtig aufregen, wie über den Meerjungmänner-Kram auch. Zu den Segnungen des Mittfünfzigertums gehört aber auch, dass man nicht mehr über jedes Stöckchen springen muss und dass man Meerjungmänner und Piratinnen einfach mal gut sein lassen kann.

Es wird sich eh viel zu viel aufgeregt, vermutlich übrigens über Dinge, die der Aufregung kaum wert sind.

Was mir trotzdem gerade einfällt: War Bully Herbigs „Schuh des Manitu“ nicht eine unfassbare Diskriminierung und Bedienung von Vorurteilen und müsste man deshalb Szenen wie diese nicht sofort von YouTube löschen?

Und: Vor gefühlten hunderten Jahren habe ich in einem Interview die damalige Ministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger gefragt, wie um Himmels willen man den Namen Leutheusser-Schnarrenberger in eine handelsübliche Überschrift bekommen soll? Frau Ministerin hat gelacht und gemeint, ihr sei alles recht. Hauptsache, man schreibe nicht „Schnarri“.

Und das war es dann auch schon.

Wie mir Neuntklässler mit Milka, Blumen und Konfetti eine echte Lektion verpasst haben

Am Wochenende hat meine Frau Geburtstag gehabt. Das ist an sich eine schöne Sache, wenn nur die Geschichte mit dem Schenken nicht wäre. Nicht, dass ich ihr nicht liebend gerne etwas schenke. Aber, wenn man ehrlich ist: Es gibt in unserem Alter kaum etwas, was man nicht hat. Und die Dinge, die man bisher nicht hat, die braucht man jetzt auch nicht mehr. First-World-Problems, ich weiß. Zumal es bei Geschenken schon lange nicht mehr darum geht, ob man etwas braucht.

Dagegen die Klasse meiner Frau, diese Klasse, die ich bekanntermaßen ziemlich sensationell finde, weil sie mir regelmäßig Lektionen erteilt. Die hat sich für den Geburtstag ihrer Lehrerin etwas einfallen lassen. Nicht, weil sie gemusst hätten, Sondern weil sie es einfach wollten.

Nur zum Geraderücken der Relation: Ich habe nie in meinem ganzen Schülerleben einem Lehrer etwas geschenkt. Ich wäre nicht mal auf den Gedanken gekommen. Wenn ich mich richtig erinnere, dann auch der Rest der Klasse nicht. Lehrer dürfen froh sein, wenn Schüler im Teenager-Alter nicht für komplett aus der Zeit gefallen halten, mehr Kompliment geht nicht.

Dagegen das hier! Alleine diese Begrüßung: Sie macht die Klassentür auf, marschiert durch einen Konfetti-Regen, Luftballons und Luftschlangen, blickt auf die Tafel, entdeckt dort den kollektiven Klassen-Geburtstags-Glückwunsch:

Dabei bleibt es nicht, obwohl, ich sag es gerne noch mal: Ich wäre in tausend Jahren als Schüler nicht auf die Idee gekommen, für Lehrer mühevoll das Klassenzimmer zu dekorieren. Nein, stattdessen gibt es: eine Karte. Blumen. Schokolade. Selbstgebasteltes. Ein Parfum. Noch mal Blumen. 15 und 16jährige Neuntklässler einer Mittelschule, die ganz bestimmt nicht zu Mama und Papa sagen: Gib mir mal Geld, wir wollen unserer Lehrerin was zum Geburtstag kaufen.

Und währenddessen sitze ich hier, denke mir, dass die Kids vermutlich keine Ahnung haben, wie toll sie sind, finde plötzlich, dass umgekehrt unsere saturierte Erwachsenenwelt in der gehobenen Mittelklasse ziemlich erbärmlich ist.

Wir schenken uns Gutscheine. Und gratulieren per WhatsApp. Oder via Facebook, was gleich noch mal eine Runde jämmerlicher ist.

Ich habe so was noch nie bekommen. Wie auch, ich bin Journalist und Berater und manchmal auch Autor und in all diesen Funktionen zudem viel im sozialen Netz unterwegs. Und erwachsen. Da darf man um jeden Tag froh sein, an dem man einem ausgewachsenen Shitstorm entgeht.

Man muss dafür dringend darauf achten, nie etwas Falsches zu sagen, zu schreiben, zu fotografieren, weil: Unsere Welt ist streng, nimmt sich selbst sehr wichtig, ist immer überaus korrekt und gleichzeitig gnadenlos im Verurteilen und in der Besserwisserei.

Vielleicht wären Milka und Blumen und Konfetti bei uns ja auch eine gute Idee, ab und zu wenigstens.

Ich habe meiner Frau dann natürlich auch etwas geschenkt. Ich persönlich finde es schön, meine Frau auch (sagt sie wenigstens).

Ich glaube trotzdem, dass mir ihre Schüler mal wieder weit überlegen waren. Eine echte Lektion. Danke, Kids.

Ein Loblied auf alte, weiße Männer (und ihre grandiosen Frauen)

Jaja, ich weiß: wir weißen, alten Männer. Schuld an allem. Dauersabbernd, Schlechtwitzreißer. Übergriffig, selbstverliebt, unsensibel. Noch irgendwas vergessen? Bestimmt. Fassen wir es also zusammen: Wenn es irgendwas gibt, was gerade blöd läuft, einfach auf uns abladen. Der Widerspruch wird gering sein. Schon alleine deswegen, weil wir uns gar nicht mehr trauen zu widersprechen, weil es sonst heißen würde: typisch weißer alter Mann! Reicht es, wenn wir uns in Luft auflösen?

Jetzt, so stellt eine schlaue Autorin in der NZZ fest, betrifft uns auch noch ein Phänomen, über das sonst nur Frauen über 50 klagen. Wir werden unsichtbar. Zumindest für jüngere Generationen und da wieder in erster Linie für jüngere Frauen. Die schauen, heißt es da, meistens angeekelt weg, wenn sie von uns angeschaut werden. Was nachvollziehbar ist. Wer will schon gerne von einem sabbernden weißen alten Mann angesehen werden?

Alter weißer Mann. Symbolbild (Foto: Pixabay)

Einer aus unserer Generation wird im Text so zitiert:  «Man bekommt im Alter nicht einmal die Chance, zu zeigen, dass man nicht ist wie all die anderen, deren Gier die Frauen jeden Tag begegnen. Es gibt keine Möglichkeit, nicht als lüstern wahrgenommen zu werden, weil jeder Blick ihnen als Bestätigung ihres Ekels gilt.» Unausgesprochen würden ihm die Frauen unterstellen, etwas von ihnen zu wollen oder gleich über sie herzufallen – als hätte er ihre Beachtung nötig.

Mag sein. Aber das ist aktuell kein Problem von uns alten weißen Männern mehr. Höchstens, dass sich das grundsätzliche Problem noch ein bisschen verschärft. Ein Mann, der Frauen offensiv anschaut, ist schon schlimm. Ein alter (weißer) Mann, der so was macht, ist eine Vollkatastrophe.

Trotzdem würde ich gerne was loswerden. Zwei Sachen sogar.

Das Erste: Ich sag das gerne der 16-jährigen daheim, wenn es um das manchmal nicht ganz einfache Verhältnis zwischen den Generationen geht. Klar können Teenager uns Alte doof finden. Vor allem dann, wenn wir ihre Eltern sind. Sie sollten dabei aber immer in Erwägung ziehen, dass es umgekehrt auch so sein könnte. Teenager sind manchmal die Hölle. Das Doof-Finden funktioniert auch in die umgekehrte Richtung.

Bevor also eine Frau irgendwo in den Zwanzigern meint, wir müssten junge Frauen toll finden, weil sie jung sind: Denkt darüber nach, ob wir euch nicht auch einfach langweilig finden könnten. Vor allem wegen meiner eigenen Frau würde ich hier an dieser Stelle gerne ein gigantisches Loblied auf Frauen deutlich jenseits dieser 20somewhat singen.

Meine Frau ist eine Frau. Eine echt tolle und eine richtige vor allem. Ganz ehrlich. Zu den übelsten Dingen, die man uns Männern jenseits der 40 oder (in meinem Fall) 50 nachsagt ist, wir würden junge Frauen generell toll finden. Alleine deswegen, weil sie jung sind. Das ist nebenher auch noch eine fatale Beleidigung aller Frauen über 40. Also, Mädels irgendwo in den Zwanzigern: Zieht in Erwägung, dass wir Alte euch genauso doof finden könnten wie ihr uns.

Und zweitens: Ich schau mir gerne Leute an. Frauen genauso gerne wie Männer. Nein, nicht sabbernd. Ich habe unlängst in München einen Typen gesehen, bei dem ich mir dachte: interessantes Konzept. Das denke ich mir manchmal auch bei Frauen, bei jungen und alten gleichermaßen. Ich schaue mir gerne Menschen an, weil ich sie generell interessant finde.

Selbstverständlich stiere ich sie nicht an, im Normalfall ist mein Interesse an einer Person, der ich flüchtig begegne, schnell wieder vorbei. Ich würde trotzdem gerne weiter Menschen anschauen können, ohne mir wie ein Sittenstrolch vorzukommen. Ich finde es ja schon absurd genug, dass ein derart simpler Vorgang gerne in die Geschlechterdebatte eingebracht und neuerdings auch unter Altersvorbehalt gestellt wird. Alter, weißer Mann schaut sich Menschen an, womöglich auch noch Frauen? Aufschrei!

Selbstverständlich dürfen Sie mich total doof finden. Aus einer ganzen Reihe von Gründen. Nur, dass ich alt, weiß und männlich bin, das sind die blödesten Gründe, die man sich denken kann.

Der Schnee, der Habeck und andere Nichtigkeiten

Eine Katastrophenwoche, ich sage es euch! Wir sind umzingelt von Naturkatastrophen, unfähigen Politikern und überhaupt einer Welt, die irre geworden ist. Habeck beispielsweise, ja genau: der twitterlose Habeck! Will irgendwann Regierungsverantwortung übernehmen und rennt weg beim ersten lauen Social-Media-Lüftchen!

Und dann erst der Winter, dieser Winter!

So könnte ich weitermachen, mit ordentlich Schaum vor dem Mund und der Verwendung von Ausrufezeichen im Text, die ungefähr das Adäquat zum Schaum vor dem Mund ist.

Aber soll ich euch was sagen? Je mehr ich mich in mein sechstes Lebensjahrzehnt hineinbewege, desto entspannter sehe ich das alles. Nee, nicht so im Sinne von: Mir ist alles wurscht! Mir ist nur wurscht, was nicht von Belang ist. Schnee im Winter beispielsweise. Das ist absolut nicht von Belang. Ob Habeck twittert oder nicht, dagegen ist sogar der Schnee ein abendfüllendes Thema.

Schon klar, ich weiß: In diesen vollidigitalisierten Zeiten geht das mit der Aufregung ganz schnell. Alle sind immer aufgeregt. Ständige Dauerempörung auf allen Kanälen, da kann man gar nicht anders, als sie als einfach ermüdend zu finden.

Vermutlich gibt es in diesem meinem Alter nur zwei Möglichkeiten. Entweder man wird von buddhistischer Gelassenheit, man muss ja nicht gleich die optische Anmutung von Helmut Kohl übernehmen. Oder man wird zu einem dieser älteren, wütenden und meistens weißen Männern, die sich so in ihren Verfolgungswahn hineinsteigern, dass ihnen am Ende nichts anderes übrig bleibt, als Gauland, Weidel und Storch als die letzte verbliebene Möglichkeit zur Rettung des Abendlandes und seiner selbst zu sehen. Weil das aber keine Alternative sein kann, weder für Deutschland noch für einen selbst, empfiehlt sich die Sache mit der Gelassenheit.

Was im Grunde ganz einfach ist. Weil es fast nichts mehr gibt, was wir älteren Menschen nicht schon mal gesehen haben. Chaos-Winter? Zum Fiepsen. Ich konnte mal als Kind zwei Wochen nicht zur Schule gehen, weil wir erstens aus unseren eingeschneiten Käffern nicht mehr rauskamen und weil zweitens die Schulen eh alle zu waren. Habeck will nicht mehr twittern? So what, in der persönlichen Bedeutungsskala ist das schon jetzt kaum mehr auffindbar und am Ende des Jahres 2019 findet sich das in keinem Jahresrückblick wieder. Und schau an, schon fühlt sich das ganze Leben ein bisschen leichter an. Wenn man erst mal begriffen hat, dass das allermeiste und gottseidank auch die Allermeisten (Menschen) und auch man selbst nur vorübergehende Phänomene sind: Ich bin 54, nein eigentlich 18 und kaum etwas könnte mir egaler sein als Schnee.


Heute ist mein 18. Geburtstag

Ich habe heute Geburtstag. Der Kalender will mir einreden, es sei mein 54. Aber das ist absoluter Unsinn. Tatsächlich ist es mein 18. Geburtstag. Glauben Sie nicht? Ist aber so, ganz im Ernst.  

Die 16-Jährige daheim hat mich unlängst mit der Feststellung beglückt, mein Leben sei ja bald vorbei, während ihres erst so richtig losgehe. Ich vermute, sie meinte das nicht böse. Sondern eher als Feststellung, die grundsätzlich nicht von der Hand zu weisen ist.

Tatsächlich fällt Menschen in den 50ern ihres Lebens irgendwann auf, wie sich die eigenen Grenzen nach hinten verschieben. Man hat den 60. Geburtstag im Auge, weil man ja erst ab diesem Tag wirklich alt ist. Oder halt, nehmen wir den 65. Das ist Rentenalter und ab dann gehört man zu den Senioren. Und wenn wir schon dabei sind, können wir das auch gleich auf den 70. verschieben. 70, das ist ok, ab da ist man alt. Was den Vorteil mit sich bringt, dass man bis dahin noch etwas Zeit hat.

Alt, das sind immer nur die anderen.

Ich gebe zu, mich bis zum heutigen Tag mit solchen Gedankenkonstrukten über Wasser gehalten zu haben. Was leidlich funktioniert hat, der Mensch ist schließlich in nichts so gut wie im gepflegten Selbstbetrug.

Inzwischen bin ich also laut Kalender 54. Das ist insofern ungünstig, weil der Abstand zu ersten Alters-Brandmauer geringer wird und man ja weiß, was sechs Jahre sind. Gemessen an dem, wie schnell die Zeit vergeht: nix.

Weswegen ich beschlossen habe, jetzt erst mal meinen 18. Geburtstag zu feiern. Endlich volljährig und erwachsen, wenn das mal kein Grund für eine geile Party ist! Der Gedanke ist übrigens nicht so abwegig, wie Sie jetzt möglicherweise annehmen. Männer werden nämlich erst mit 54 so richtig erwachsen. Habe ich jetzt gelesen, ganz im Ernst. Hat irgendeine Studie ergeben. Gut, das muss nichts bedeuten, weil jeden Tag Studien auf den Markt kommen, die irgendwas behaupten. Meistens ist es das, was die Auftraggeber lesen wollen. Ob das auch für Frauen gilt, weiß ich nicht, ich glaube aber nicht. Frauen sind immer schon reifer gewesen als Männer. Da wäre es ein Witz, würden sie erst mit 54 erwachsen.

Wir Männer hingegen sind echte Spätzünder. Das wissen wir im Grunde seit der Pubertät, in der es damit losging, dass uns die Mädchen immer ein gutes Stück voraus waren. Daran ändert sich nicht viel, nicht mal dann, wenn wir 40 sind. Mit 40 sind wir immer noch verunsicherte Hosenscheißer. Schreibt zumindest diese Studie, auch wenn sie es eleganter formuliert. Bis wir 54 werden, plagen uns Ängste. Vor sozialem Abstieg, davor, nie eine gescheite Frau zu finden, vor Übergewicht und Haarausfall. Das ist eine ziemlich lange Zeitspanne, in den meisten Fällen über die Hälfte des Lebens.

Mit 54 ändert sich das. Ich habe keine Ahnung, wieso ausgerechnet mit 54. Ich weiß auch nicht, wie sich das bemerkbar macht und was die Gründe dafür sind. Vielleicht sind uns Übergewicht und Haarausfall einfach egal, was in einigen Fällen daran liegen könnte, dass eh nichts mehr zu retten ist. 

Man könnte aus diesem neu erwachten Pragmatismus aber auch was mitnehmen. Nicht nur, dass man ein Reframing vornimmt, wie Design Thinker das nennen würden. Nicht sich also einfach nur vornehmen, den 54. Geburtstag zum 18. umzufirmieren. Sondern das tatsächlich mit Konsequenzen: sich also fühlen und benehmen wie ein junger Erwachsener, der gerade den Stress der Pubertät hinter sich gelassen hat, endlich vernünftig zu leben beginnt und das mit allen Freiheiten und Energien, die man mit 18 so hat (ideralerweise aber nicht mit dem Verstand eines 18jährigen, da ist man mit dem Hirn eines mittelalten Mannes deutlich besser dran).

Ganz davon abgesehen habe ich vor kurzem noch eine Studie gelesen (man liest viele Studien in meinem Alter, müssen Sie wissen). Demnach hat man mit Bewohnern eines Seniorenheims einen Versuch unternommen, in dem sie als Erstes ihr Alter vergessen sollten.  Im zweiten Schritt sollten sie sich zurückversetzen in die Zeit, in der sie jung waren. Dementsprechend hörten sie Musik aus dieser Zeit, sahen Schwarz-Weiß-Filme und setzten sich dem ganzen neuen Kram nicht mehr aus. Warum auch der Stress, wenn man nicht mag?

Und was kam heraus? Mit den betagten Herrschaften ging es schnell und spürbar aufwärts, sogar von Fremden wurden sie im Schnitt schnell für ein paar Jahre jünger geschätzt, als sie tatsächlich waren.

Deshalb: Danke für die Glückwünsche zum 18.! Endlich erwachsen, endlich tun und lassen können, was einem gefällt. Hat ja auch lange genug gedauert.

Höchste Zeit, nichts mehr zu versäumen!

Für immer Harley!

An einem frühen Spätsommermorgen in Kalifornien: Auch an solchen Tagen hat es im Landesinneren immer noch gute 30 Grad und es ist staubtrocken. An einem solchem Morgen also sitzen wir in einer von vermutlich Milliarden „Dennys“-Filialen, einem klassischen amerikanischen Frühstückdinner, der exakt so aussieht wie die anderen Milliarden Filialen.

Bakersfield , CA, 2018. (Foto: Jakubetz)
Bakersfield ,CA, 2018. (Foto: Jakubetz)

Das Tolle an Amerika ist ja: Es ist völlig egal, ob du irgendwo durch Ohio gondelst oder durch Kalifornien, die Liebe der Amerikaner zum Filialsystem sorgt für ein paar Konstanten bei einem Roadtrip. Man weiß zum Beispiel immer, wo man zuverlässig ein ordentliches Frühstück herbekommt. 

An diesem Morgen also beim „Dennys“ sitzen wir am Fenster an einem „Booth“, diesen Bänken, wie es sie nur in den USA gibt und die man aus unzähligen Filmen und Serien kennt. Plötzlich ein Knattern, ach was: ein gediegenes Röhren. Zwei Harleys biegen um die Ecke. Sie sehen aus, wie Harleys nun mal aussehen. Sehr breit, sehr verchromt, sehr amerikanisch. Auch die Fahrer entsprechen nahezu jedem denkbaren Klischee. Außer einem: Der Fahrer und die Fahrerin auf ihren beiden Maschinen waren erkennbar – irgendwas um die 70. Lange graue Haare beide, er mit langem grauen Bart. Beide in Jeans-Montur und Stiefeln. Da staunt der 50jährige aus dem biederen Deutschland etwas und fragt nach bei den beiden: Warum fahrt ihr immer noch Harley? Oder schon wieder?

Dieser Text ist quasi ein Kerngedanke. Die Grundlage der Fortsetzung des „40jährigen, der aus dem Golf stieg und verschwand“. Ein paar Überlegungen zum alt werden. Also, zum richtig alt werden. Nicht dieser Midlife-Crisis-Kinderkram von 40jährigen. Ich hoffe, das gute Stück wird 2019 fertig und ich hoffe, ihr begleitet es wieder mit vielen Anregungen und Kommentaren. Wenn es dann auch noch jemand kauft, bin ich glücklich.

Die beiden starren mich an, als wenn ich etwas Obszönes gesagt hätte und für einen Moment komme ich mir auch genauso vor. Warum nicht, knarzt der männliche Teil des Harley-Duos. Mit der Zeit, als sie bemerken, dass mein Interesse ein aufrechtes ist und ich sie keineswegs für zwei wunderliche Gestalten halte, werden sie mitteilsamer: Davon abgesehen, dass beide ihr Leben als Arbeiter bei Harley verbracht haben, sei Harley ein Lebensgefühl. Eines, das viel mit Freiheit zu tun hat. Eines, das bedeutet: Irgendwann morgens steht man auf, schwingt sich beim ewigen kalfifornischen Sonnenschein auf die Maschine, dreht ein paar Runden, geht zum Frühstück in den Diner und dann dreht man wieder ein paar Runden und dann wird man schon sehen, was der Tag noch so bringt. Im schlechtesten Fall bringt er nur ein paar Harley-Runden in der Sonne Kaliforniens. Es gibt, denke ich mir, deutlich schlechtere Möglichkeiten, seinen Tag zu verbringen.

Im gleichen Moment denke ich an viele Altersgenossen (und natürlich auch an ältere Menschen, beispielsweise jenseits der 60 oder 70). Ich überlege, wie viele es in meinem Dunstkreis gibt, die sinnbildlich gesehen ihren Tag mit Harley-Fahren verbringen oder es jemals tun werden.

Mir fallen auf den ersten und auf den zweiten Blick nicht viele sein. Stattdessen: Menschen, die sich anscheinend zum Ziel gesetzt haben, sich und ihre Umgebung zu Tode zu langweilen.

Ich mag übrigens keine Harley, ich mag Motorräder ohnehin nicht sonderlich.  Aber den Rest des Lebens Harley-Fahren, das halte ich plötzlich für einen ziemlich guten Vorsatz.